Walserweg
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Turrahus – Safien Platz

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18. Juni / Walserweg Etappe 4

Mit nur 3,5 Stunden stand heute eine kurze Etappe auf dem Plan, die aber für einiges Kopfzerbrechen sorgte. Eine Frage war, ob ich die Etappe verlängern soll, beispielsweise zwei Stunden länger bis hinauf zum Glaspass. Nur ist ein steiler zweistündiger Aufstieg zum Abschluss des Wandertages nicht immer angenehm. Noch drängender wurde diese Frage, weil bei der Recherche nach einer Übernachtungsmöglichkeit in Safien Platz unerwartete Schwierigkeiten auftauchten. Das im Führer empfohlene Hotel und Restaurant Rathaus ist nämlich bis auf weiteres geschlossen, konkret bis ein neuer Pächter gefunden wird. Als Alternative spuckt mir das Internet einzig ein Bed & Breakfast aus, das jedoch 300 Höhenmeter und 40 Minuten oberhalb von Safien Platz liegt. Tönt irgendwie nach Umweg oder Extraschlaufe. Und weil ich während der Wanderung eher auf Hüttenstandard eingestellt war, erscheint der Preis für eine Person (meine liebe Begleitung verlässt mich leider nach dieser Etappe) eher hoch. Nach langem Hin und Her, tausend Mal in Frage stellen und nicht entscheiden können, bleibts dann doch beim am Dienstag gefassten Plan: Vom Turrahus laufe ich nur bis Safien Platz und übernachte da hoch über dem Dorf im Nühus und gönne mir da einen schönen Abend. Und die Entscheidung war goldrichtig, denn das Nühus ist ein wahres Bijoux!

Aber zurück zum Morgen, wo wir zeitig frühstückten – ganz allein zu zweit, waren wir doch die einzigen Übernachtungsgäste -, um am frühen Nachmittag in Safien Platz zu sein. Der Weg führt zuerst dem Bach entlang bis Thalkirch, eigentlich ein ganz schöner Weg, nur war sein Zustand nicht so optimal. Erst führte er ganz schmal zwischen einem Weidenzaun und dem teilweise abgerutschen bzw. weggebaggerten Bachbett durch. Es folgte die Bachüberquerung mit überflutetem Weg, was aber eigentlich alles easybeasy war. Eine echte Herausforderung war dann aber der sehenswerte, traditionelle Holzzaun vor der Kirche. Dieser markierte auf beiden Seiten den Weg, der jedoch eine einzige Schlammschlacht war, wurden durch den nassen Weg die Kühe getrieben. Auf der Wiese zu laufen war aber auch keine wirkliche Alternative, war diese doch tropfend nass. Nach Thalkirch gings etwas hinauf, vorbei an schönen Walserhäusern und anhänglichen jungen Kühen. Und danach folgte die zweite Herausforderung, einfach in extra langer Ausführung! Über eine längere Wegstrecke wurden die Kühe Richtung Alp getrieben, was für den einfachen Wanderweg üblere Konsequenzen hatte: Durch die nassen Tage war die Erde vor allem im Wald stark aufgeweicht, so dass der Weg nun wie knietief durchgepflügt aussah. So suchten wir ständig nach schlammfreien, haltgebenden Stellen, vorzugsweise schöne feste Graspölsterli, mal links, mal rechts, mal nirgends. Auf alle Fälle mussten wir uns ganz schön konzentrieren, so dass die kurze Etappe gar nicht langweilig wurde :-)

Die landschaftlich sehr schöne Wanderung durch das Safiental endet mit einem sehr steilen Abstieg nach Safien Platz. Da wir das Postauto für meine Freundin nur um wenige Minuten verpasst haben, blieb uns genügend Zeit für einen gemütlichen Lunch. Wir wussten, dass mit dem Rathaus das einzige Restaurant geschlossen war, hofften aber auf das kleine Café. Nur besitzt dieses sehr reduzierte Öffnungszeiten und war deshalb seit 11 Uhr geschlossen. Dafür entdeckten wir gleich gegenüber die Spensa, ein kleiner Selbstbedienungsladen mit Produkten aus dem Tal. So kratzten wir all unser Kleingeld zusammen und deckten uns mit frischem, wunderbarem Joghurt, Salsiz und Nusstörtchen ein. Diese verputzten wir auf einem Bänklein draussen vor dem Café, also eigentlich fast auf der Hauptstrasse.

Mit dem Postauto war auch der Abschied von meiner Wegbegleiterin gekommen, und ich machte mich bergauf nach Bruschgaleschg zum Nühus. Hoch über Safien Platz liegt das alte, liebevollst renovierte Walserhaus mit einmaliger Aussicht, wo ich herzlich empfangen und durchs Haus geführt werde. Ein richtiges Schmuckstück mit viel Liebe zum Detail und zur Kultur der Walser sowie einem grossem Verständnis für guten Geschmack und Kunst! Hätte ich vorher gewusst, was da für ein Bijoux auf mich wartet, hätte ich überhaupt keine Fragen gewälzt! Im Nühus geniesst man das tolle Ambiente, das grosse Zimmer mit superbequemem Bett, die feine regionale Küche und einheimische Tropfen. Von der Aussicht und der netten Gesellschaft ganz zu schweigen.

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