Walserweg
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Vals – Turrahus

17. Juni / Walserweg Etappe 3

Von den fünf Etappen, die für diese Woche geplant sind, gilt diese als Königsetappe: hier werden jede Menge Höhenmeter gefressen, 1’160 hinauf und 720 hinunter. Im Walserwegbuch von Irene Schuler wird sie als «konditionell anspruchsvolle Bergwanderung durch eine vielfältige Natur- und Kulturlandschaft» beschrieben.

Vom Dorfplatz in Vals macht der Weg keine langen Faxen, sondern führt in gerader Linie durch die letzten Häuser direkt den stotzigen Hang hoch. Gleich am Dorfrand kann man sich für einen etwas sanfteren Einstieg entscheiden und kurz oder etwas länger auf der Strasse hochlaufen. Ansonsten geht es auf dem Wanderweg möglichst direkt steil hinauf, was manchmal schon fast an Treppensteigen erinnert. Zum Glück muss ich da nicht runterlaufen… Der Weg durch den Wald ist im untersten Teil von einem letzten heftigen Unwetter kräftig durchgewirbelt worden. Und der Weg scheint gut gedüngt, muss doch unmittelbar vor uns eine Schafherde hinaufgekraxelt sein. Schritt für Schritt und ein Schweisstropfen am anderen gehts möglichst direkt 700 Höhenmeter hinauf. Dabei fühlt man sich ein bisschen wie einer dieser vielen riesigen und wunderschönen Hüslischnägga auf dem Weg. Sobald die Wasserflasche fast leergetrunken und das Leibchen durchgeschwitzt ist,  lichtet sich plötzlich der Wald und man ist auf einer Alpwiese angekommen.

Hier oberhalb der Waldgrenze führt der Walserweg unter dem Hora rund um den Berg ins Tal hinein. Auf dem Weg beim Riedboda entdecken wir am Gegenhang unsere Vorläufer – eine Herde Schafe. Und auch sonst hat der Berg Augen: jede Menge Mungga beobachten uns scharf, einige entdecken aber wir als erste. Manchmal wird erschreckend laut gepfiffen und manchmal sitzen die Munggen einfach nur da und schauen. Der Riedboda ist eine ganz besondere Landschaft, flach, gün und fast kreisförmig, wobei von rundherum Bäche spektakulär in die Ebene hinunterstürzen. Seitlich geht der Weg an einem Felsband bzw. Absatz hoch auf eine höhere Ebene, wo man auf die aussergewöhnlich gepflegte und ordentliche Alp Tomül gelangt. Hier füllte ich am Brunnen meine Flasche auf, so dass ich wieder ausreichend Flüssigkeit dabei hatte. Bis zum Tomülpass war noch eine Stunde zu laufen, in einem tollen Panorama, wo wir sogar eine Gemse entdeckten. Der Weg wurde plötzlich ungewöhnlich breit, ist jedoch sehr unregelmässig und voller Steine. Viele kleinste Bäche kreuzen oder fliessen auf dem Weg. Unmittelbar vor dem Pass (und dann auch noch gleich danach) gibt es ein kleines Schneefeld zu überqueren – im Vergleich zum Schneefeld am Valserberg jedoch ein Klacks. Am Pass auf 2’412 müM angekommen, wird gleich die ungewöhnliche Wegbreite erklärt. 1941 haben polnische Soldaten den Weg erbaut. Gleich neben dem Passübergang steht auf einem Hügel ein Steinmännchen. Von dort hat man einen berauschenden Rundumblick und sieht nun endlich auch die spektakulären Berge des Safientals zwischen den Wolken hervorblitzen. Und Wunder über Wunder, beim Steinmännli hatte ich plötzlich und als allereinzigen Ort weit und breit Handyempfang. Ohne Swisscom ist man in den Bergen schlicht aufgeschmissen, nicht mal am Ziel in Turrahus habe ich Telefon- geschweige denn Internetverbindung.

Nach dem Pass geht es auf einer Art Miniatur-Passstrasse – inkl. steinerner Stützmauern – hinunter ins Safiental. Riesige Weiden liegen rund um uns, entfernt sieht man die Grossalp und oberhalb der Alp Falätscha gehts direkt zum Turrahus. Dabei treffen wir auf die ersten Buschis und Kühe auf den Alpen. Die Anlieferung mit Traktoren und Anhänger hat erst grad begonnen.

Beim Turrahus wurden stattdessen Pensionäre aus Zürich mit zwei Sonderfahrt-Postautos angeliefert bzw. bei unserer Ankunft wieder verladen. Sie waren als Tagesausflug hierher gekommen und haben das gleiche feine Essen zum Zmittag bekommen, wie wir zum Znacht: gespickter Rinsbraten mit Stock und dreierlei Gemüse.

 

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