Walserweg
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San Bernardino – Hinterrhein

15. Juni 2015 / Walserweg Etappe 1

Seit dem 13. Juni ist auch in den Bergen Graubündens offiziell Sommer, so dass ich endlich den Walserweg unter die Füsse nehmen kann. Ein langgehegter Wunsch, der nun über den erlebisreichen „Umweg“ von 890 km (Jakobsweg) in Erfüllung geht.

Gemeinsam mit einer Freundin wollte ich am Sonntag in San Bernardino zur ersten Etappe von insgesamt 19 starten. Aufgrund des sehr schlechten Wetterberichts für Samstag bis Dienstag haben wir den Start auf Montag verschoben – mit der Annahme, die erste, eher kurze Etappe im Regen zu laufen. Mit dem Postauto sind wir am verregneten Hinterrhein vorbeigefahren, durch den Tunnel gerauscht und nullkommanichts in San Bernardino angekommen. Dort fielen pünktlich zu unserer Ankunft die allerletzten Tropfen vom Himmel, so dass wir ohne Regenhose loslaufen konnten. Das Wetterglück blieb uns hold: statt der befürchteten Gewitter und Dauerregen blieb es trocken und ruhig. Einzig von unten wurde es sehr nass, mussten doch zahlreiche Bäche mit aktuell sehr viel Wasser überquert werden. Auch der Weg war häufig voll Wasser, so dass wir bereits witzelten, dass der Walserweg eigentlich Wasserweg heissen müsste. Somit gab es heute trotz tollem Wetter viel Wasser und zu unserer Überraschung auch noch einen heftigen Donner. Dieser kam jedoch nicht vom Himmel sondern von einer Sprengung in einem nahen Steinbruch.

Der Weg Richtung Pass beginnt gleich stotzig durch den Wald und wird dann flacher, sobald die Waldgrenze durchlaufen ist. Natürlich ist der Wanderweg hier kein Vergleich mit dem Jakobsweg. So ziemlich alles ist anders. Der Weg ist teilweise gar nicht als solcher erkennbar, doch die weiss-rot-weissen Markierungen sind ständig sichtbar, so dass man problemlos zum Ziel kommt. Anders ist nicht nur die Breite und Beschaffenheit des Weges, anders ist auch die Landschaft (einfach nur traumhaft!), die zahlreich blühenden Blumen (Alpenrosen, Enzian, Veilchen) und die Anzahl der Mitwanderer (keine!). Anders ist auch die Topografie, obwohl die heutigen 500 Höhenmeter hinauf und weder hinunter erst ein Vorgeschmack waren. Da bin ich mehr als froh, habe ich von der Pilgererfahrung profitieren und meinen Rucksack auf 6,5 kg inkl. Verpflegung und Wasser minimieren können. Da spürt man schon fast nicht mehr, dass man einen Rucksack trägt. Verzichten konnte ich beispielsweise auf den Schlafsack und das Mikrofasertuch (ein kleines habe ich zur Sicherheit trotzdem dabei). Denn auf dem Walserweg schläft man stets angenehm in Betten mit Bettwäsche.

Und hier in Hinterrhein geht es nicht nur den im Dorf freilaufenden Hühnern gut, auch uns geht es prächtig. Untergebracht sind wir in einer gemütlichen Ferienwohnung von Irene Aebli, wo es uns an nichts fehlt. Im Dorf sorgen drei bis vier Frauen dafür, dass alle Wanderer zu einem Bett kommen. Ein wunderbares Nachtessen bekommt man im Bachhuus-Chäller von Familie Egger – interessante Gespräche, tolles Ambiente, familiäre Stimmung und ein Kümmischnaps inbegriffen. Hinterrhein ist einmalig schön anzuschauen, gerade mal 60 Personen wohnen hier. Und ist man im Dorf, hat man die Unmittelbarkeit der A13 vergessen. Stattdessen freut man sich über die vielen Geissen, die am Abend vom Hirten zurückgebracht werden. Während vier Sommermonaten kümmert sich bereits seit mehreren Jahren ein Hirt um sämtliche Geissen im Dorf: am Morgen sammelt er alle ein, begleitet sie auf die teilweise sehr steilen Wiesen und bringt sie Abends alles wieder ins Dorf.

Nicht nur einen Hauch sondern eine geballte Ladung an Nostalgie findet man übrigens auf dem San Bernardino Pass. Das von aussen baufällige Hospiz präsentiert sich unnen als kleines Schmuckstück. Die Extraschlaufe zum Pass lohnt sich also nicht nur wegen der (kostenpflichtigen) Toilette 😉

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