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Windeltaschen-Frühling

 

Mit dem Frühling kommen die Babies – und mit ihnen die Windeltaschen als beliebtes Geschenk. Für zwei neue Erdenbürger durfte ich ein Willkommensgeschenk nähen. Zu Beginn dauerte es ewig, bis ich oben, unten und seitlich alles wieder in Griff bekam… Zudem hat mich meine Stickmaschine bei Jérôme im Stich gelassen. Denn die sonst so zuverlässige Brother kennt das Zeichen „^“ nicht. Und ein Geburtsgeschenk mit unvollständig geschriebenem Namen geht gar nicht. So ist erstmals eine Windeltasche mit einem geplotterten Namen entstanden. Gefällt mit auch ganz gut und funktioniert eventuell auch mit bereits fertig genähten Windeltaschen. Müsste ich mal ausprobieren :-)

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Die Nähmaschine läuft wieder

Nach langer – sehr langer – Nähpause gehts wieder weiter! Die Nähmaschine war im Service, nur meine Nähfertigkeiten sind noch etwas eingerostet. So versuche ich mich momentan an eher einfacheren Sachen, beispielsweise Schlüsselanhänger. Diese sind bei uns ständig in Gebrauch und weisen dementsprechend Abnützungserscheinungen auf. Zudem können für die genähten Schlüsselanhänger auch kleinere Stoffresten verwendet werden. Aber irgendwie wird die Restenkiste trotzdem nie kleiner :-)

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Safien Platz – Thusis

19. Juni / Walserweg Etappe 5

Nach einer erholsamen Nacht im Nühus und feinen Zmorga mit ausgezeichnetem Frischkäse vom Nachbarhof gings zuerst steil runter nach Safien Platz. Danach folgte eine etwas kürzere Wiederholung von Vals: Es ging wieder so stotzig hinauf, dass praktisch nur Höhenmeter und keine Distanz überwunden werden mussten. Der Weg war aber in einem ausgezeichneten Zustand und beherbergte einige tierische Überraschungen. Zuerst rettete sich ein Frosch hüpfend vor meinen Wanderschuhen, etwas später erstarrte mitten auf dem Weg ein kleines tiefschwarzes Fabelwesen vor meinem Getrampel. Es stellte sich später als junger Alpensalamander heraus. Heftig erschreckt habe ich eine Gemse, die direkt neben dem Weg graste und mit vollem Mund die Flucht ergriff.

Bis Glas war ich richtig schön durchgeschwitzt, danach galt es aber die Jacke anzuziehen. Der Weg bis zum Pass war angenehm, jedoch auf der Strasse zu laufen. Wolken verhinderten, dass ich das im Buch beschriebene Panorama geniessen konnte. Immerhin güxelte der Piz Beverin teilweise aus dem Grau-Weiss heraus. Weil der Boden immer noch sehr nass und die Sicht äusserst schlecht war, entschied ich mich für den direkteren Weg nach Thusis und folgte für einmal nicht dem Wegweiser für die Nummer 35. Der langgezogene Abstieg vom Glaspass nach Thusis war aber leider eine kleine Enttäuschung bzw. eine Qual für die Knie, führte doch der grösste Teil des Weges über geteerte Strassen. Immerhin ging es so zügig vorwärts, so dass ich für die Etappe von Safien Platz bis Thusis gerade mal 3,5 Stunden brauchte – wobei ich vor allem beim Aufstieg schön auf die Tube drückte :-) In Thusis angekommen, reichte die Zeit für einen kurzen Lunch-Einkauf im Coop, damit ich im Zug nach Hause wieder Energie auffüllen konnte. Und natürlich studiere ich bereits an den nächsten Etappen des Walserwegs herum, es liegen ja noch 14 vor mir.

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Turrahus – Safien Platz

18. Juni / Walserweg Etappe 4

Mit nur 3,5 Stunden stand heute eine kurze Etappe auf dem Plan, die aber für einiges Kopfzerbrechen sorgte. Eine Frage war, ob ich die Etappe verlängern soll, beispielsweise zwei Stunden länger bis hinauf zum Glaspass. Nur ist ein steiler zweistündiger Aufstieg zum Abschluss des Wandertages nicht immer angenehm. Noch drängender wurde diese Frage, weil bei der Recherche nach einer Übernachtungsmöglichkeit in Safien Platz unerwartete Schwierigkeiten auftauchten. Das im Führer empfohlene Hotel und Restaurant Rathaus ist nämlich bis auf weiteres geschlossen, konkret bis ein neuer Pächter gefunden wird. Als Alternative spuckt mir das Internet einzig ein Bed & Breakfast aus, das jedoch 300 Höhenmeter und 40 Minuten oberhalb von Safien Platz liegt. Tönt irgendwie nach Umweg oder Extraschlaufe. Und weil ich während der Wanderung eher auf Hüttenstandard eingestellt war, erscheint der Preis für eine Person (meine liebe Begleitung verlässt mich leider nach dieser Etappe) eher hoch. Nach langem Hin und Her, tausend Mal in Frage stellen und nicht entscheiden können, bleibts dann doch beim am Dienstag gefassten Plan: Vom Turrahus laufe ich nur bis Safien Platz und übernachte da hoch über dem Dorf im Nühus und gönne mir da einen schönen Abend. Und die Entscheidung war goldrichtig, denn das Nühus ist ein wahres Bijoux!

Aber zurück zum Morgen, wo wir zeitig frühstückten – ganz allein zu zweit, waren wir doch die einzigen Übernachtungsgäste -, um am frühen Nachmittag in Safien Platz zu sein. Der Weg führt zuerst dem Bach entlang bis Thalkirch, eigentlich ein ganz schöner Weg, nur war sein Zustand nicht so optimal. Erst führte er ganz schmal zwischen einem Weidenzaun und dem teilweise abgerutschen bzw. weggebaggerten Bachbett durch. Es folgte die Bachüberquerung mit überflutetem Weg, was aber eigentlich alles easybeasy war. Eine echte Herausforderung war dann aber der sehenswerte, traditionelle Holzzaun vor der Kirche. Dieser markierte auf beiden Seiten den Weg, der jedoch eine einzige Schlammschlacht war, wurden durch den nassen Weg die Kühe getrieben. Auf der Wiese zu laufen war aber auch keine wirkliche Alternative, war diese doch tropfend nass. Nach Thalkirch gings etwas hinauf, vorbei an schönen Walserhäusern und anhänglichen jungen Kühen. Und danach folgte die zweite Herausforderung, einfach in extra langer Ausführung! Über eine längere Wegstrecke wurden die Kühe Richtung Alp getrieben, was für den einfachen Wanderweg üblere Konsequenzen hatte: Durch die nassen Tage war die Erde vor allem im Wald stark aufgeweicht, so dass der Weg nun wie knietief durchgepflügt aussah. So suchten wir ständig nach schlammfreien, haltgebenden Stellen, vorzugsweise schöne feste Graspölsterli, mal links, mal rechts, mal nirgends. Auf alle Fälle mussten wir uns ganz schön konzentrieren, so dass die kurze Etappe gar nicht langweilig wurde :-)

Die landschaftlich sehr schöne Wanderung durch das Safiental endet mit einem sehr steilen Abstieg nach Safien Platz. Da wir das Postauto für meine Freundin nur um wenige Minuten verpasst haben, blieb uns genügend Zeit für einen gemütlichen Lunch. Wir wussten, dass mit dem Rathaus das einzige Restaurant geschlossen war, hofften aber auf das kleine Café. Nur besitzt dieses sehr reduzierte Öffnungszeiten und war deshalb seit 11 Uhr geschlossen. Dafür entdeckten wir gleich gegenüber die Spensa, ein kleiner Selbstbedienungsladen mit Produkten aus dem Tal. So kratzten wir all unser Kleingeld zusammen und deckten uns mit frischem, wunderbarem Joghurt, Salsiz und Nusstörtchen ein. Diese verputzten wir auf einem Bänklein draussen vor dem Café, also eigentlich fast auf der Hauptstrasse.

Mit dem Postauto war auch der Abschied von meiner Wegbegleiterin gekommen, und ich machte mich bergauf nach Bruschgaleschg zum Nühus. Hoch über Safien Platz liegt das alte, liebevollst renovierte Walserhaus mit einmaliger Aussicht, wo ich herzlich empfangen und durchs Haus geführt werde. Ein richtiges Schmuckstück mit viel Liebe zum Detail und zur Kultur der Walser sowie einem grossem Verständnis für guten Geschmack und Kunst! Hätte ich vorher gewusst, was da für ein Bijoux auf mich wartet, hätte ich überhaupt keine Fragen gewälzt! Im Nühus geniesst man das tolle Ambiente, das grosse Zimmer mit superbequemem Bett, die feine regionale Küche und einheimische Tropfen. Von der Aussicht und der netten Gesellschaft ganz zu schweigen.

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Vals – Turrahus

17. Juni / Walserweg Etappe 3

Von den fünf Etappen, die für diese Woche geplant sind, gilt diese als Königsetappe: hier werden jede Menge Höhenmeter gefressen, 1’160 hinauf und 720 hinunter. Im Walserwegbuch von Irene Schuler wird sie als «konditionell anspruchsvolle Bergwanderung durch eine vielfältige Natur- und Kulturlandschaft» beschrieben.

Vom Dorfplatz in Vals macht der Weg keine langen Faxen, sondern führt in gerader Linie durch die letzten Häuser direkt den stotzigen Hang hoch. Gleich am Dorfrand kann man sich für einen etwas sanfteren Einstieg entscheiden und kurz oder etwas länger auf der Strasse hochlaufen. Ansonsten geht es auf dem Wanderweg möglichst direkt steil hinauf, was manchmal schon fast an Treppensteigen erinnert. Zum Glück muss ich da nicht runterlaufen… Der Weg durch den Wald ist im untersten Teil von einem letzten heftigen Unwetter kräftig durchgewirbelt worden. Und der Weg scheint gut gedüngt, muss doch unmittelbar vor uns eine Schafherde hinaufgekraxelt sein. Schritt für Schritt und ein Schweisstropfen am anderen gehts möglichst direkt 700 Höhenmeter hinauf. Dabei fühlt man sich ein bisschen wie einer dieser vielen riesigen und wunderschönen Hüslischnägga auf dem Weg. Sobald die Wasserflasche fast leergetrunken und das Leibchen durchgeschwitzt ist,  lichtet sich plötzlich der Wald und man ist auf einer Alpwiese angekommen.

Hier oberhalb der Waldgrenze führt der Walserweg unter dem Hora rund um den Berg ins Tal hinein. Auf dem Weg beim Riedboda entdecken wir am Gegenhang unsere Vorläufer – eine Herde Schafe. Und auch sonst hat der Berg Augen: jede Menge Mungga beobachten uns scharf, einige entdecken aber wir als erste. Manchmal wird erschreckend laut gepfiffen und manchmal sitzen die Munggen einfach nur da und schauen. Der Riedboda ist eine ganz besondere Landschaft, flach, gün und fast kreisförmig, wobei von rundherum Bäche spektakulär in die Ebene hinunterstürzen. Seitlich geht der Weg an einem Felsband bzw. Absatz hoch auf eine höhere Ebene, wo man auf die aussergewöhnlich gepflegte und ordentliche Alp Tomül gelangt. Hier füllte ich am Brunnen meine Flasche auf, so dass ich wieder ausreichend Flüssigkeit dabei hatte. Bis zum Tomülpass war noch eine Stunde zu laufen, in einem tollen Panorama, wo wir sogar eine Gemse entdeckten. Der Weg wurde plötzlich ungewöhnlich breit, ist jedoch sehr unregelmässig und voller Steine. Viele kleinste Bäche kreuzen oder fliessen auf dem Weg. Unmittelbar vor dem Pass (und dann auch noch gleich danach) gibt es ein kleines Schneefeld zu überqueren – im Vergleich zum Schneefeld am Valserberg jedoch ein Klacks. Am Pass auf 2’412 müM angekommen, wird gleich die ungewöhnliche Wegbreite erklärt. 1941 haben polnische Soldaten den Weg erbaut. Gleich neben dem Passübergang steht auf einem Hügel ein Steinmännchen. Von dort hat man einen berauschenden Rundumblick und sieht nun endlich auch die spektakulären Berge des Safientals zwischen den Wolken hervorblitzen. Und Wunder über Wunder, beim Steinmännli hatte ich plötzlich und als allereinzigen Ort weit und breit Handyempfang. Ohne Swisscom ist man in den Bergen schlicht aufgeschmissen, nicht mal am Ziel in Turrahus habe ich Telefon- geschweige denn Internetverbindung.

Nach dem Pass geht es auf einer Art Miniatur-Passstrasse – inkl. steinerner Stützmauern – hinunter ins Safiental. Riesige Weiden liegen rund um uns, entfernt sieht man die Grossalp und oberhalb der Alp Falätscha gehts direkt zum Turrahus. Dabei treffen wir auf die ersten Buschis und Kühe auf den Alpen. Die Anlieferung mit Traktoren und Anhänger hat erst grad begonnen.

Beim Turrahus wurden stattdessen Pensionäre aus Zürich mit zwei Sonderfahrt-Postautos angeliefert bzw. bei unserer Ankunft wieder verladen. Sie waren als Tagesausflug hierher gekommen und haben das gleiche feine Essen zum Zmittag bekommen, wie wir zum Znacht: gespickter Rinsbraten mit Stock und dreierlei Gemüse.

 

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Hinterrhein – Vals

16. Juni /Walserweg Etappe 2

Von Hinterrhein kann man den Hang zum Valserberg schön hinaufschauen. Viele Höhenmeter (880) und wenig Distanz erwartet einen da zum Pass hinauf. Der Valserberg war lange eine wichtige Verbindung, gingen die Valser doch stets lieber nach Hinterrhein über den Pass, als das Tal hinab nach Illanz. Walser und Romanen sind definitiv zwei Paar Schuhe, das wurde uns in Vals in der Beiz von den Einheimischen beim Feierabendbier (hier wird keine Stange sondern nur Calanda in der Flasche getrunken) nachdrücklich bestätigt.

Der Weg hinauf zum Valserbergpass ist angenehm zu laufen, die erste Hälfte kann man auf einem breiten Weg gehen, die zweite führt über Bergpfade. Ganz oben erwarteten uns drei kleine, letzte Schneefelder am Sonnenhang. Nach dem Pass waren wir auf ein grosses Schneefeld eingestellt, dass es aber grad so riesig war, tja, das hätten wir nicht gedacht. Trotz Regen war die Sicht gut, so dass wir weit sehen konnten, um jeweils eine weit entfernte Wegmarkierung sehen zu können. Ein eigentliches Inselhopping vollführten wir, immer möglichst kurz durch den gut tragenden, aber rutschigen Schnee auf ein Felsinselchen. So kam heute das Nass von oben und von unten, die soliden Bergschuhe fühlten sich irgendwann leicht nass und kalt an.

Da man sich auf dem nirgends unterstellen kann – die Militärkaserne ganz oben haben wir ignoriert und uns aufs Schneefeld konzentriert -, haben wir gar nie richtige Lunchpause gemacht. Erst in Wallatsch machten wir ein kurzes Päuschen im Alpstall. Gleich bei der Alp geht es stotzig durch hohe Plakten zu einem Bach runter. Dieser toste gewaltig und führte grosse Wassermengen. Etwas verunsichert, ob wir denn hier tatsächlich queren können, wählten wir die sicherere Alternative runter nach Peil, um dann auf der Naturstrasse alles nach Vals zu laufen. Von unseren zwei deutschen „Nachwanderer“, die froh um unsere Spuren im Schnee waren, erfuhren wir im Hotel, dass es tatsächlich ein Brücklein gab. Nur kann man dieses von oben nicht sehen.

Das Berliner Ehepaar und wir sollen in diesem Jahr die ersten sein, die den Walserweg laufen. Im Gegensatz zu uns hat das Paar das Pauschalangebot der RhB gebucht, wo neben Unterkunft und Verpflegung auch der Gepäcktransport mit dabei ist. Leider werden uns die Berliner nicht weiter begleiten, da sie eine zweite Nacht in Vals verbringen. Wie auch wir haben sie mit einem Besuch der Therme gerechnet, die nun aber wegen Renovierungsarbeiten geschlossen ist. Das Badekleid konnten wir deshalb zu Hause lassen.

War die Gegend bis Wallatsch doch menschenleer, änderte sich das ab Peil schlagartig. Was eine Strasse alles ausmacht :-) Hier gehts zuerst durch die Geissenalp vorbei an zwei drei Häusern. Dann treffen wir auf Hühner,  später auf frei grasende Esel. Zwei Fliegenfischer versuchten ihr Glück im Bach und drei Bauarbeiter erneuerten die Stützmauern der Strasse. Überraschend für uns war der Anblick von Vals: sämtliche Dächer sind mit Steinen gedeckt, das Dorf wirkt gross, harmonisch und herausgeputzt. Links und rechts gehen die Berge steil nach oben, als weit kann man das Tal nicht bezeichnen. So nehmen schon mal ein Auge voll vom morgigen Aufstieg zum Tomüelpass, 1100 Höhenmeter solls hinauf gehen. Aber zuerst geniessen wir die Übernachtung und das feine Essen (Capuns) im Hotel Alpina, wo wir überraschenderweise in den Genuss je eines Caminada Zimmers kommen.