Monate: April 2015

Santa Irene – Santiago de Compostela

Donnerstag, 30. April / 24,5 km So vieles ist möglich! Punkt 12 Uhr bin ich auf meinem Weg in Santiago angekommen. Ein Schritt unter vielen. Und heute passiert so viel, dass mir schon fast die Worte fehlen. Deshalb fange ich doch ganz klassisch am Morgen an. Oder besser gesagt in der Nacht, ist doch das erste Paar bereits um 4 Uhr in der Nacht aufgebrochen. Natürlich haben das die meisten im rund 24-Betten-Schlafsaal mitbekommen. Unüberhörbar war jedoch eine grössere Gruppe mit italienischen Teenagerinnen, deren Wecker um 6 Uhr klingelten. Die Girls waren einigermasse leise (wohl noch zu müde, um Lärm machen zu können), jedoch einer der älteren Begleitpersonen gab alles: Er rannte hundertmal in den Schlafraum rein und wieder raus, liess die Tür offen, führte mehrere lautstarke Telefongespräche im Gang, so dass es wie durch ein Megaphon tönte und hatte ewig um all seine Sachen zusammen zu packen. Wenn ihn jemand auf seine Rücksichtslosigkeit nett aufmerksam machte, schaute er nur verdutzt rein. Irgendwie muss ihm entgangen sein, dass da noch rund zehn Personen schlafen wollten. …

Melide – Santa Irene

Mittwoch, 29. April / 31,5 km Mit den Kilometern hab ichs wohl nicht so… Heute sind es wieder über 30 km geworden, gefühlt waren es aber nur etwa 26. Und da auf dem Camino höchst unterschiedliche Kilometerangaben rumschwirren, sind meine Aussagen dazu wohl eher Glückssache. Gestern ist der Text im Blog etwas kurz ausgefallen, einerseits war ich von der langen Strecke müde, andererseits habe ich das Gefühl mich hier zu wiederholen. Das Laufen ist inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen. Auch die problemlos machbare Distanz pro Tag ist gestiegen. Der Tagesablauf und alles wird zur Gewohnheit, gut ist dieser Teil meines Weges bald abgeschlossen. Morgen bereits bin ich in Santiago – für zwei Nächte. Dann gehts 90 km weiter nach Finisterre. Das Bett in Santiago ist für die erste Nacht gebucht – hier wird alles mit jedem Kilometer näher zu Santiago teurer und voller -, für die zweite Nacht ist grosse Party mit den Jungen angesagt. Werde also gefordert sein Trocken war das Wetter, aber weiterhin frisch. Also weder T-Shirt noch Sonnenbrille… Auch hier wird …

Gonzar – Melide

Dienstag, 28. April / 33 km Heute habs ichs doch gepackt und bin die lange Strecke bis Melide (in Galizien, nicht im Tessin!) gelaufen. Dies nicht zuletzt dank trockenem Wetter und dem wohltuenden Wechsel auf die Runningschuhe. Irgendwie will ich nun den Rest wohl möglichst bald hinter mich bringen – aber ich hab wohl schon gestern zu sehr über Galizien und die hiesigen Herbergen (riesige Schlafsäle, wacklige Betten, kein WiFi und zwar Küchen, aber ohne jegliche Ausstattung) gelästert, drum lass ich es jetzt hier sein 😉 Geschlafen habe ich für einmal nicht in der öffentlichen beschimpften Herberge, sondern in einer privaten. Die hatte zwar ebenfalls kein WiFi (deshalb zwei Tage keine Bilder auf dem Blog), dafür aber stabile Betten, viel Platz, frisch bezogenes Kissen und eine Decke. Da ich bereits um 21 h ins Bett gefallen war, stand ich heute früh auf und begann noch im Dunkeln zu laufen ( etwas vor 7 Uhr). Kurz vor Sonnenaufgang nach Gonzar. Unterwegs gibts nicht nur Bäume und Landstrassen zu sehen… Jede Menge Kühe in Galizien. Die für …

Barbadelo – Gonzar

Montag, 27. April / 28 km Heute war das Kleiderproblem keines mehr: Es regnete praktisch ununterbrochen. Zudem war es kühler und der Weg mit weniger Steigungen versetzt, so dass ich nur ganz selten ins Schwitzen geriet. Die Wege sind häufig mit grossen Pfützen durchsetzt und oft matschig. Pilger gibt es nun tatsächlich mehr, nur über die Herbergen bin ich etwas enttäuscht. Zwar gibt es in den grösseren Pilgerstädten massenhaft Herbergen, dazwischen ist das Angebot aber mehr als dünn gesäht. Noch nie hat die Gruppe so lange wie heute die Köpfe über die Bücher zusammengesteckt. Morgen kann man entweder rund 22 oder dann 32 km machen – dazwischen gibts nichts. Einige wollen nun die schnelle Variante mit 32 / 30 / 26 km machen. Jemand teilt die verbleibenden Kilometer in 22-er Stücke auf. Selbst habe ich null Ahnung, wie ich vorgehen will. Ich schaue einfach mal, was meine Füsse und mein Rücken morgen so machen. Denn heute zwickt und schmerzt es hier und da. Nur zu gerne würde ich wieder mal die Runningschuhe tragen, aber bei …

Tricastela – Barbadelo

Sonntag, 26. April / 24 km Ein bisschen „spanisch“ kam mir heute die galizische Landschaft vor. Ich wähnte mich beinahe in der Schweiz mit ihrer üppigen Vegetation, verschiedensten Bäumen, hügelige Umgebung und viele Kühe. Nur die Kühe sehen doch anders aus… Erstaunlich, wie sich die Landschaft nach einer Bergkette ändern kann, und man meint, zu Hause zu sein. Da ist dann auch das Heimweh nicht zu weit weg. Das Wetter ist auch heute schlecht und ein stetiger Wechsel von nass und trocken. Ich habe keine Ahnung, wie viele Male ich heute etwas von der Regenausrüstung an- oder abgezogen habe. Denn ohne Nass vom Himmel schwitzt man in den Regenteilen zu heftig. Aber darüber habe ich ja bereits gestern gestänkert! Nach einer ruhigen Nacht – unsere Gruppe hatte eine Herberge ganz allein für sich – machte ich mich um 8 Uhr auf den Weg. Gleich zu Beginn geht er rund 200 Höhenmeter hinauf durch einen Wald. Nur war der Boden – eine praktisch unbefahrene Landstrasse – voll mit toten Tieren bzw. Schnecken und Echsen. Es ist …

Laguna de Castilla – Tricastela

Samstag, 25. April / 24,5 km Hudelwetter herrscht heute, Regen, Windböen und ganz selten mal ein kleiner Sonnenstrahl. Zum Glück stand heute eine eher gemütliche Strecke auf dem Plan – wenn man denn auch den Weg finden würde. Zuerst gings hinauf in den Nebel nach O Cebreiro, wobei man die Grenze nach Galizien überschreitet. Dank einem grossen Markstein war das selbst bei Nebel für jeden erkennbar. Nach O Cebreiro lief ich mal munter drauflos bzw. hin zu einem Aussichtpunkt auf die galizische Landschaft. Nur waren da irgendwann weder Pilger noch gelbe Pfeile. Also wieder zurück zum letzten Haus und einen neuen Anlauf nehmen. Gerade üppig fallen die Markierungen in der neuen Region nicht aus, so dass ich mich bald ganz einsam in einem verregneten Zauberwald wiederfinde. Der Weg geht stetig bergauf, nirgends sind Schuhabdrücke anderer Pilger oder ein Pfeil zu sehen. Da die Richtung stimmen sollte, bin ich weitergelaufen und bereits nach einigen hundert Metern wieder auf den Camino gestossen. Da es nun etwas abwärts ging, begann das grosse Frieren. Bei der nächsten trockenen Gelegenheit, …